Bezahlbarer Wohnraum nur mit städtischer Wohnungsbaugesellschaft

Der Bürgerentscheid zum Verkehrslandeplatz Holtenau hat bereits einen erstens Erfolg: Es ist dem Bündnis ,Wir machen Stadt‘ gelungen, das Thema bezahlbarer Wohnungsbau fest auf der politischen Tagesordnung zu verankern.“ Das erklärt Lydia Rudow vom Bündnis “Wir machen Stadt” am Mittwoch, 2. Mai 2018.

Es ist erstaunlich, dass es erst unseres Bürgerentscheids bedurfte, um von der Kieler Wohnungswirtschaft ein Bekenntnis in Sachen Fertigstellung von Wohnraum zu erhalten“, so Rudow.

Man könne nur hoffen, dass den Ankündigungen nun auch Grundsteinlegungen folgen, „denn schon einmal haben die Wohnungswirtschaft und der Oberbürgermeister Großes verkündet – doch dem 2015 entworfenem Masterplan Wohnen folgte nicht viel, stattdessen sank der Bestand an Sozialwohnungen weiter und es steigen die Mieten“, so Rudow.

Wenn die Vergangenheit eines lehrt, dann ist das die Tatsache, dass der freie Markt eben nicht alles regelt; erst recht nicht, wenn es um bezahlbaren und öffentlich geförderten Wohnungsbau geht“, stellt Lydia Rudow fest. Kiel benötigt deshalb Flächen im eigenen Besitz, die es in nennenswerter Größe nur auf dem Verkehrslandeplatz gebe, und eine eigene Wohnungsbaugesellschaft, um den Herausforderungen gerecht zu werden. „Die Stadt Kiel muss mit einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft endlich selber das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Statt Pressekonferenzen erwarten wir vom Oberbürgermeister einen konkreten Fahrplan zur Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Der Beschluss der Ratsversammlung dazu ist seit über einem Jahr nicht umgesetzt“, kritisiert Lydia Rudow.

Wer auf den Verkehrslandeplatz Holtenau für eine wohnbauliche Entwicklung verzichtet, muss endlich sagen, wo die dringend benötigten Wohneinheiten – vor allem die bezahlbaren – denn entstehen sollen?“, fragt Lydia Rudow. Die Aussagen des Oberbürgermeisters, der die Zahlen im Wohnbauflächenatlas ja öffentlich für zu niedrig und damit bedeutungslos erklärt, helfen aus Rudows Sicht da auch nicht weiter.

Wenig überzeugend findet das Bündnis die Bedenken des Oberbürgermeisters und von Teilen der Wohnungswirtschaft, dass eine wohnbauliche Entwicklung auf dem heutigen Verkehrslandeplatz erst in zeitlich weiter Ferne zu realisieren sei: „Wenn diese Argumentation zutreffen würde, frage ich mich, wie und warum es in Suchsdorf-West schneller gehen sollte? Die Flächen dort sind noch nicht einmal landesplanerisch frei gegeben, eine leistungsfähige Erschließung gibt es nicht, und das Umspannwerk steht einer Entwicklung auch im Wege.“ Für den Kieler Süden bleibe weiter die Frage der verkehrlichen Anbindung; die Probleme der verkehrlichen Überlastung und zunehmender Luftverschmutzung beim Übergang der B 404 auf den Thedor-Heuss-Ring seien nach wie vor nicht gelöst. „Die Fläche des Flugplatzes hingegen ist verkehrlich bereits bestens angebunden. Zudem könnte auch die verkehrliche Erschließung des MFG5-Gelände über den Flugplatz erfolgen und so Holtenau entlasten.“

Der Verkehrslandeplatz sei eine einmalige Chance der Stadtentwicklung, um in die Zukunft gerichtet Lösungen zu schaffen. Der Erhalt des auch volkswirtschaftlich unrentablen Verkehrslandeplatzes ohne Linienverkehre, ohne Neuansiedlungen, mit sinkenden Flugbewegungszahlen und rückläufiger Beschäftigung sei dagegen rückwärtsgewandt. Das Bündnis erklärt dazu: „Wer an Kiels Zukunft denkt, stimmt am Sonntag beim Bürgerentscheid mit Ja!“

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