Pressemitteilung: Kiel braucht Holtenau als Platz zum Leben

Die Debatte über das Bürgerbegehren zur Zukunft des Verkehrslandeplatzes Holtenau am Donnerstag, 15. März 2018, in der Kieler Ratsversammlung hat es für die Vertretungsberechtigten des Bündnisses „Wir machen Stadt“ deutlich gemacht: Es gibt keine gewichtigen Argumente gegen die Umwandlung des Verkehrslandeplatzes in einen mischgenutzten, neuen Stadtteil mit Platz zum Wohnen, Arbeiten und Leben.

„Wer es ernst meint mit dem Kampf für bezahlbaren Wohnraum in dieser Stadt, der kommt an Holtenau nicht vorbei“, sagt Andreas Meyer, einer der drei Vertretungsberechtigten des Bündnisses. „Auch für dringend benötigte Gewerbeflächen ist auf dem 100 Hektar großen Verkehrslandeplatz ebenso viel Platz wie für Grün und Erholung“, ergänzen die beiden anderen Vertretungsberechtigten, Lydia Rudow und Stefan Rudau. Für die an Flächen so arme und gleichzeitig wachsende Landeshauptstadt sei die Umwandlung des Verkehrslandeplatzes eine einmalige Chance zur zukunftsfähigen Entwicklung.

Allein in den nächsten 15 Jahren benötigt Kiel weit über 20.000 neue Wohnungen. Hinter der im Masterplan Wohnen vorgegebenen Entwicklungsgeschwindigkeit hinke Kiel deutlich hinterher. Und Neubauprojekte wie das Schlossquartier, die Alte Feuerwache oder am Bäckergang seien so hochpreisig, dass die Mehrheit der Menschen allein aus finanziellen Gründen dort keinen Zugang zu neuem Wohnraum finde. „Die Wohnungsnot in Kiel ist dramatisch“, sagen die drei Vertretungsberechtigten, „und führt zu einem Verdrängungswettbewerb. Menschen mit geringen und mittleren Einkommen werden an den Rand gedrängt, Besserverdienende weichen in die Nachbarkreise aus.“

Lösbar sei dieses Problem in einer Zeit explodierender Baulandpreise absehbar nur, wenn die Stadt über eigene Flächen verfüge, um auch öffentlich geförderten und bezahlbaren Wohnraum zu realisieren, sagt Andreas Meyer. „Der Verkehrslandeplatz gehört der Stadt bereits zu 90 Prozent. Als Eigentümerin könnte sie – ohne den Zwang zum unbedingten Profitstreben – bestimmen, welche Wohnungen dort gebaut werden“, ergänzt Stefan Rudau. „Holtenau ist bereits gut angebunden und die Infrastruktur wie Schulen, Kitas und Nahversorgung schon vorhanden. Das ist deutlich besser, als eine landschaftlich und ökologisch wertvolle Fläche im Randbereich der Stadt zu entwickeln“, meint Lydia Rudow.

Als „geradezu enttäuschend“ bezeichnen Lydia Rudow, Stefan Rudau und Andreas Meyer die Argumente der Gegner einer Umwandlung des Verkehrslandeplatzes in einen mischgenutzten Stadtteil: Wer 200 mögliche Wohneinheiten und den seit Jahren vor sich hin krebsenden „Airpark“ mit nicht mal 80 Arbeitsplätzen in die Waagschale gegen 2000 Wohneinheiten und 40 Hektar Gewerbefläche mit bis zu 2600 Arbeitsplätzen legt, der müsse sich nicht wundern. Auch der Einwand, der Verkehrslandeplatz sei für Organtransplantation unverzichtbar, verliere bei Sicht der Zahl an Wirkungskraft. So ist nach Aussage der Deutschen Stiftung Organtransplantation die Strecke Lübeck – UKSH mit dem Hubschrauber in 20 Minuten zu überbrücken. „Niemand muss sterben, wenn wir den Verkehrslandeplatz in Zukunft besser nutzen“, sagt Andreas Meyer.

 

Die Fragestellung des Bürgerentscheids am 6. Mai lautet:

Sind Sie dafür, dass der Verkehrslandeplatz Holtenau geschlossen und stattdessen auf dem Gelände ein neuer mischgenutzter Stadtteil mit weitest möglich kommunalem und gemeinnützigem Wohnungsbau und Gewerbe entwickelt wird?

1 thought on “Pressemitteilung: Kiel braucht Holtenau als Platz zum Leben

  • Sehr geehrte Damen und Herren!
    Nach aufmerksamem Lesen der Argumente zum Bürgerentscheid habe ich folg.Fragen: Ich habe eine Minirente und weiß genau um die Probleme, irgendwo noch eine Wohnung zu bekommen.
    Es ist von “ bis zu“ 1800 Wohnungen, davon 30% öffentl.gef.Wohnungsbau. „Bis zu“ ist etwas wage, wie viele sind es tatsächlich und warum nicht mehr als 30% öffentl. geförderter Wohnungsbau- der Mangel für Geringverdiener und Menschen, die weniger als 1000 Euro monatlich zur Verfügung haben, ist doch riesig und wird die nä.Jahre noch zunehmen. 1 oder 2-max.2,5 Wohnungen, vielleicht besteht doch auch die Möglichkeit, den Wohnungsstandard etwas zu reduzieren, um günstiger bauen zu können.

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